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Forschung und Lehre

Obwohl Forschung und Lehre eigentlich vom Prinzip her zwei völlig verschiedene Arbeitsfelder sind, und bei weitem nicht jeder Forscher ein wirklich guter Lehrer ist, so sind diese beiden Arbeitsbereiche in Deutschland doch meist miteinander verbunden und sollen deshalb hier auch gemeinsam behandelt werden. Ab einem gewissen Punkt in der Karriere eines Forschers an Universitäten ist man gezwungen auch Lehre zu geben und ich möchte an jeden appellieren sich gut zu überlegen, ob er dazu auch in der Lage ist. Es gibt leider wirklich viele gute Forscher, die schreckliche Dozenten sind, und die keinerlei Talent zur Vermittlung von Wissen mitbringen. Ist man ausschließlich an Forschung ohne Lehre interessiert bietet sich einem die Forschung in der freien Wirtschaft als Alternative an, die auch aus anderen Gründen durchaus attraktiv ist. Aber der Reihe nach:

Forschen kann man in so ziemlich jedem Teilbereich der Psychologie, weshalb die Forschung und Lehre eigentlich ein Unterpunkt aller anderen Arbeitsbereiche ist. Die Karriere eines Forschers beginnt meist schon während des Studiums indem man sich als Nebenjob eine Stelle als Studentische Hilfskraft (auch oft HiWi) genannt besorgt. Durch die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt im Rahmen dieses Jobs bekommt man die ersten Erfahrungen was universitäre Forschung bedeutet. Nach dem Studium setzt man dann die Forscherkarriere als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt fort, was oft mit einer Doktorarbeit verbunden ist. Hat man diese irgendwann in der Tasche kann man als Assistent (kurz Assi) in einer Uni beschäftigt werden. Manchmal klappt das auch ohne Doktor, meist aber erst mit Promotion. Spätestens an diesem Punkt ist auch eine Lehrverpflichtung Bestandteil des Arbeitsvertrages. Jetzt beginnt man mit seiner Habilitation, der nächsten Stufe der akademischen Karriereleiter. Hat man diese nach 3-5 Jahren auch wieder hinter sich gebracht und kann sich jetzt Dr. habil nennen, so besteht die Möglichkeit als richtiger selbstständiger Dozent oder auch Privatdozent im so genannten Mittelbau der Universität zu arbeiten. Hat man sich hier genug Sporen verdient und eine entsprechende Reputation erworben kann man versuchen eine Professur zu ergattern.

Bedenkt man, dass auf jeden Professor ungefähr 2-5 Dozenten und Assistenten und 10-15 wissenschaftliche Mitarbeiter kommen, ist klar, dass nicht jeder irgendwann eine Professur bekommen kann, sind diese doch Beamtenstellen auf Lebenszeit. Die Konkurrenz ist groß und entsprechend groß ist der Druck sich mit Publikationen und Vorträgen aus der Masse hervorzutun. Man nennt das dann auch "publish or perish". Das führt leider dazu, dass auch jede Menge Mist veröffentlicht wird, nur um das eigene Publikationsverzeichnis aufzufüllen.

Hat man dann endlich nach Jahren des daraufhin Arbeitens eine Professur ergattert kann man sich zurücklehnen und zum ersten mal an eigenen Forschungsprojekten arbeiten ohne zusätzlich noch für andere forschen zu müssen. Dieser ganze Weg ist sehr lang und nicht umsonst sind die Professoren in Deutschland selten unter 45 Jahren alt. Dazu kommt eine große Unsicherheit auf diesem Weg. Meist hat man nur befristete Verträge von ein bis drei Jahren. Oft muss man umziehen denn Stellen an Universitäten dürfen häufig nicht intern vergeben werden (Verbot von Hausberufungen). Nicht umsonst wird immer vom schlechten Forschungsstandort Deutschland gesprochen. Familie und Beziehungen mit diesem Berufsweg unter einen Hut zu bringen ist schwierig. An allen Ecken wird in den Universitäten gespart. Oft weiß man im September noch nicht, wo man im Januar arbeiten wird. Dennoch ist es ein lohnender Weg, denn es bietet sich hier die Möglichkeit eigene Ideen zu verwirklichen und Geheimnisse zu entdecken. Auch die Lehre macht viel Spaß, wenn man entsprechende Neigungen mitbringt.

Die Alternative hierzu ist die Forschung in der freien Wirtschaft. Der Unterschied liegt meistens in der Zielsetzung der Forschung. Ziele in Unternehmen sind meist anwendungsorientierte Lösungen, also greifbare und verwertbare Ergebnisse. Dabei steht man nicht selten unter enormem Zeitdruck. In Universitäten wird hingegen mehr Grundlagenforschung betrieben, etwas wofür Unternehmen nur selten Geld ausgeben. Generell sind aber die Arbeitsbedingungen in der Wirtschaft deutlich besser. Das Gehalt kann bis zu doppelt so hoch sein, wie an Universitäten, erbringt man die erwarteten Ergebnisse hat man einen relativ sicheren Arbeitsplatz, und man hat die Möglichkeit die eigenen Ideen und Forschungen auch in der Praxis in Anwendung zu sehen.

Wofür man sich entscheidet ist Geschmackssache, meist aber auch eine Frage der freien Stellen. Die universitäre Forschung ist meist ein Auffangbecken für Psychologen bei schlechtem Arbeitsmarkt. Da aber natürlich nicht mehr Geld zur Verfügung steht, werden entsprechend halbe oder sogar nur viertel Stellen vergeben. Nicht selten wird aber trotzdem erwartet, dass man Vollzeit arbeitet. Einen entscheidenden Vorteil hat aber die universitäre Forschung: Man ist im öffentlichen Dienst beschäftigt, mit allen damit verbundenen Vorteilen, unter anderem einem regelmäßigen Gehalt und der Sicherheit, dass der Arbeitgeber nicht in Insolvenz geht.

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