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Bachelor / Master

Auf ihrer Konferenz in Bologna im Jahr 1999 haben die europäischen Bildungsminister beschlossen, die europäischen Studiensysteme zu vereinheitlichen und bis 2005 einen sogenannten gemeinsamen europäischen Hochschulraum zu schaffen, der es Studenten aller europäischen Länder erlaubt, ohne Probleme zwischen den beteiligten Ländern zu wechseln. Bestandteil dieser Vereinbarung war auch die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse innerhalb Europas. Dieser sogenannte Bologna-Prozess hat inzwischen auch das Psychologiestudium erreicht und so werden auch hier die Studiengänge nach und nach auf das zweistufige System von Bachelor und Master umgestellt. Bis zum Jahr 2010 soll diese Umstellung abgeschlossen sein ab 2010 gibt es also keine neuen Diplomstudiengänge im Fach Psychologie mehr.

Aufbau

Wie sehen diese neuen Studiengänge nun im Detail aus? Noch stärker als schon beim Diplomstudiengang haben die Hochschulen bei Bachelor und Master die Freiheit Inhalte und Ausgestaltung selber zu wählen. Im Großen und Ganzen werden zwar die gleichen Bereiche bearbeitet werden wie im Diplomstudiengang, allerdings verteilen sich diese anders auf Bachelor und Master. Generell soll der Bachelor einen berufsqualifizierender Studienabschluss darstellen, was bedeutet, dass viele Inhalte aus den Anwendungsfächern, die früher im Hauptstudium zu finden waren, in den Bachelor wandern. Da der Master zu wissenschaftlicher Arbeit qualifizieren soll müssen Grundstudiumsinhalte in den Master wandern. Im Prinzip dreht sich also die Reihenfolge des Studiums um.

Viel stärker als früher muss man sich beim Bachelor für bestimmte Richtungen entscheiden. Der Studiengang ist modular aufgebaut, was eigentlich nur bedeutet, dass man sich seinen Studienplan recht flexibel aus verschiedenen Modulen zusammenstellen kann. Durch diese Zusammenstellung legt man auch die Ausrichtung seines Studiums und zu einem gewissen Grad auch die Berufsrichtung fest die man später einschlagen will. Viel stärker als früher wird der Student schon während des Studiums gefordert. Gab es zu Diplomzeiten in manchen Unis nur Prüfungen nach dem 4 und 10 Semester, so werden in den beiden neuen Studiengängen regelmäßig Leistungsnachweise in Form von Prüfungen und Klausuren verlangt.

Die Regelstudienzeit eines Bachelorstudiengangs soll 3 Jahre betragen, der Master soll zwischen 1,5 und 2 Jahre benötigen. Diese Regelstudienzeiten sind natürlich wie auch früher beim Diplom nur ein mehr oder weniger realistischer Richtwert. In der Praxis können wohl auch mal 4 Jahre bis zum Bachelor vergehen. Plant man nach dem Studium zu promovieren, so ist in Zukunft der Master der Pflichtabschluss.

Vor und Nachteile

Wie immer wenn sich Dinge ändern, die jahrzehntelang Bestand hatten gibt es viele Kritiker aber auch Befürworter. Objektiv gesehen bringt die Umstellung ein paar Vorteile, aber auch in Deutschland ein paar Nachteile und vor allem einen großen Bedarf nach neuen Regelungen.

Ein Vorteil ist sicherlich, die Vergleichbarkeit und Anerkennung der Abschlüsse innerhalb Europas, wenngleich dieser Vorteil überbewertet wird. Auch das deutsche Diplom war international als hochwertiger Abschluss anerkannt und auch ein Studienortwechsel ins Ausland hat mit einem Diplomstudiengang meist recht problemlos geklappt. Vorteilhaft ist auch die straffere Studienorganisation und das Erreichen eines berufsqualifizierenden Abschlusses nach schon 3 Jahren Studium mit dem Bachelor. Auch die angestrebte stärkere Praxisorientierung kann sicher auf der Habenseite der Umstellung verbucht werden.

Auf der Nachteilseite ist zuerst das Fehlen von klaren Perspektiven und Regelungen für die Studierenden mit dem Regelabschluss Bachelor zu nennen. Es ist noch nicht abzusehen, welche Jobmöglichkeiten einem mit einem Bachelorabschluss offenstehen. Die breite Vielfalt an Qualifikationen die man mit einem Diplomstudiengang erworben hat, ist jedenfalls mit dem Bachelor nicht mehr vorhanden. Einer der größten Kritikpunkte der im Zusammenhang mit der Umstellung immer wieder genannt wird ist die unklare Perspektive für Studenten die eine psychotherapeutische Ausbildung anstreben. Das nach jahrzehntelangem Ringen 1998 verabschiedete Psychotherapeutengesetz sieht als Voraussetzung für eine Approbation als psychologischer Psychotherapeut ein Diplom in Psychologie oder einen vergleichbaren Abschluss vor. Nun sind sich aber alle darin einig, dass der Bachelor kein dem Diplom vergleichbarer Abschluss ist und, dass das Äquivalent zum Diplom der Master ist. Es ergibt sich also die Situation, dass ein Psychologiestudent mit dem Regelabschluss Bachelor keine Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten beginnen kann. Dies ist auch insofern wiedersinnig, als dass der Bachelor ja ein berufsqualifizierender Abschluss sein soll, und der Master nur zu wissenschaftlicher Arbeit befähigen soll. Hier wäre eine Novellierung des Psychotherapeutengesetzes vonnöten, welche aber, betrachtet man den ersten Gesetzgebungsprozess, noch eine ganze Weile auf sich warten lassen wird.

Master als Alternative zum Diplom

Nun könnte man hieraus den Schluss ziehen, dass es empfehlenswert wäre einfach generell den Master in Psychologie anzustreben. Der Studiengang Bachelor + Master dauert wie früher der Diplomstudiengang ca. 5 Jahre, so dass man diesen Studienweg als Alternative wählen könnte. Allerdings ist genau dies nicht im Sinne des Erfinders. Der Bachelor wird der Regelabschluss werden, ein automatischer Übergang in einen Masterstudiengang ist nicht vorgesehen. Für einen Masterstudiengang muss man sich erneut bewerben und die Universitäten wollen hier recht hohe Hürden setzen um die Zahl der Masterstudenten zu begrenzen. Offiziell soll nur jeder dritte Bachelor Absolvent einen Masterstudienplatz bekommen.

Muss man sich nun zwischen einem Diplomstudiengang und einem BA/MA-Studiengang entscheiden, so würden wir im Moment noch klar dazu raten den Diplomstudiengang vorzuziehen. Diese Diskussion ist allerdings bald akademisch, denn spätestens ab 2010 wird es keine Wahl mehr geben. Theoretisch können alle Diplomstudierenden auch nach 2010 noch ihr Studium zu Diplomkonditionen zu Ende bringen, braucht man aber zu lange für das Studium so kann es schon passieren, dass irgendwann keine Lehrveranstaltungen mehr für den Diplomstudiengang angeboten werden.

Fazit

Viele Dinge sind neu an den neuen Studiengängen und Abschlüssen und bisher ist noch nicht abzusehen, was diese Änderungen für die deutsche und europäische Hochschullandschaft bedeuten. Bisher gibt es auch nur wenige oder keine Bachelorabsolventen in Deutschland, so können auch deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht abgeschätzt werden. Es ist aber zu erwarten, dass sich das System BA/MA irgendwann einspielen wird und der Markt sich auf die geänderten Bedingungen einstellt. Eine Alternative gibt es nicht, irgendwann gibt es einfach keine neuen Diplomabsolventen mehr.

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