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Das Zulassungsverfahren – oder wie komme ich an null bis zehn Studienplätze
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Früher war alles besser - dieser Satz hat bei der Zulassung zum Psychologiestudium, wie wohl nirgendwo, seine Berechtigung. Viel hat sich hier im Laufe der Jahre verändert, und nur mit sehr viel gutem Willen sind an diesen Veränderungen auch positive Aspekte zu erkennen. Aber fangen wir doch von vorne an, bei diesem ominösen früher:

Psychologie zählte und zählt zu den sogenannten zulassungsbeschränkten Fächern. Geschätzt wollen jedes Jahr ca. 30.000 Abiturienten einen von 3000 Studienplätzen in Psychologie erhalten, es muss also eine Auswahl aus diesen Bewerbern getroffen werden.

Wollte man früher einen Studienplatz in Psychologie haben, gab es nur einen Weg zu gehen: den zur ZVS. Die ZVS (Zentrale Vergabestelle für Studienplätze) war der zentrale Anlaufpunkt für alle Studienbewerber in einem zulassungsbeschränkten Fach. Die ZVS hat alle Bewerbungen und Studienortwünsche gesammelt und nach Ende der Bewerbungsfrist die Studienplätze zugeteilt. Die Zuteilung erfolgte damals nach zwei Kriterien: 1. Abiturnote und 2. Wartezeit.

Gehörte man zu den besten seines Jahrganges bekam man den Studienplatz über die Abiturnote zugeteilt. Dabei achtete die ZVS über ein besonderes System darauf, dass die unterschiedlichen Anforderungen im Abitur in den verschiedenen Bundesländern nicht zu einer Bevor- oder Benachteiligung von Bewerbern führte. Man konkurrierte immer nur mit Bewerbern aus dem gleichen Bundesland. Ca. 60% der Studienplätze wurden so an die besten Bewerber aus allen Bundesländern vergeben. Der schlechteste Bewerber aus jedem Bundesland der noch einen Studienplatz bekommen hatte, legte damit gleichzeitig den sogenannten n.c. (nummerus clausus) fest, also die Mindestnote die man erreicht haben musste, um einen Studienplatz zu bekommen.

Die restlichen Studienplätze wurden dann an die Bewerber vergeben, die am längsten auf den Studienplatz gewartet hatten. Hier spielte die Abiturnote keinerlei Rolle mehr - wer am längsten gewartet hatte, bekam einen Platz. Der letzte Bewerber der noch über die Wartezeit einen Platz erhalten hatte, legte mit seiner Wartezeit die Zahl der Wartesemester fest, also der Zeit, die man mindestens für einen Studienplatz gewartet haben musste.

Das alte Verfahren belohnte zum einen gute Leistungen, zum anderen Beharrlichkeit. Gleichzeitig sorgte es für Chancengleichheit unter den Bundesländern. Rückblickend war es damit das objektivste und fairste Verfahren für die Studienplatzvergabe. Es hatte aber auch Nachteile. So sind viele Bewerber nicht an den Universitäten gelandet, die sie sich gewünscht hatten. Das war vor allem bei besonders beliebten Hochschulen der Fall. Oft wurden Studienplätze dann noch nach dem Verfahren getauscht.

2005 wurde dieses Verfahren dann um eine weitere Zugangskomponente ergänzt: Das Auswahlverfahren der Hochschulen (ADH). Fortan wurden 60% der Studienplätze nicht mehr von der ZVS vergeben, sondern direkt von den Hochschulen. Nur noch 20 % der Studienplätze waren für die Abitursbesten und 20% für die Bewerber mit langer Wartezeit reserviert. Ziel war es, den Hochschulen mehr Autonomie bei der Auswahl der Studierenden einzuräumen. Sie sollten so ein eigenes Profil entwickeln und durch eigene Zulassungsverfahren Kandidaten auswählen können, die besonders gut zu diesem Profil passen. Seitdem musste man sich also bei mehreren Stellen bewerben. Einmal bei der ZVS, und dann bei jeder Hochschule an der man sich vorstellen konnte zu studieren.

Der offensichtlichste Nachteil des ADH war, dass der Ausgleich zwischen den Bundesländern dort komplett wegfiel. Ein Kandidat aus NRW konkurrierte dort direkt mit einem Kandidaten aus Bayern, obwohl die Abiturnoten in beiden Bundesländern nur schwer zu vergleichen sind.

Nach Einführung des ADH zeigten sich aber noch mehr - viel gravierendere Nachteile: Zuerst einmal trieben die individuellen Zulassungsverfahren der Hochschulen wirklich seltsame Blüten. Von Motivationsschreiben, bis zu Auswahlgesprächen, von reiner Abiturnote bis zu verschiedenen Quotienten aus Einzelnoten war alles vertreten. Es war also für Bewerber nahezu unmöglich den Überblick zu behalten.

Noch schlimmer aber war der folgende Nachteil: Da sich Abiturienten jetzt direkt bei den Hochschulen bewarben, taten sie das natürlich bei möglichst vielen Unis, um ihre Chancen auf einen Studienplatz zu maximieren. Im Ergebnis bekam ein Bewerber meist Zusagen von mehreren Unis. Da die Verfahren zeitlich nicht aufeinander abgestimmt waren, kamen diese Zusagen auch noch zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten. Viele Studienplätze wurden daher nicht angenommen, oder noch schlimmer obwohl angenommen nicht besetzt, weil kurz vor Antritt doch noch die Zulassung von der Wunschuni eintrudelte. Das resultierte in einer immer größer werdenden Zahl von Nachrückverfahren (bis zu 5 pro Uni) und meist noch einem anschließenden Losverfahren. Im Endeffekt bekamen die letzten Bewerber erst im November, also mehr als einen Monat nach Semesterbeginn, ihre Zulassung zum Studium - ein Zeitpunkt zu dem man schon viel Stoff des ersten Semesters, sowie alle Einführungsveranstaltungen verpasst hat. Auch ist es zu so einem späten Zeitpunkt in vielen Unistädten nahezu unmöglich, noch eine bezahlbare Wohnung zu finden.

All diese negativen Entwicklungen realisierend, wurde die Politik tätig und beschloss auch das ADH wieder zu zentralisieren. Dazu sollten eine neue Einrichtung namens "hochschulstart.de" und ein speziell für diesen Zweck teuer erstelltes Computerprogramm dienen. Wie so oft aber, sorgte das neue System zuerst einmal nur für negative Schlagzeilen. Das Computerprogramm kam nicht in Gang und die Einführung wurde von Jahr zu Jahr verschoben. So kam es dazu, dass es zwischenzeitlich und über Jahre hinweg gar keine zentrale Vergabe von Studienplätzen mehr gab und jede Uni selbst die Plätze verteilte.

Seit 2012 kommt nun aber langsam Bewegung in die Sache und 2013 haben immerhin schon zwei Drittel der Hochschulen hochschulstart.de für die Studienplatzvergabe im Fach Psychologie eingesetzt. Leider gibt es immer noch eine ganze Reihe Hochschulen die sich dem zentralen System entziehen. An diesen Hochschulen muss man sich weiterhin direkt bewerben und auch das Problem der Mehrfachzulassungen ist daher noch nicht vollständig vom Tisch. Der Trend ist aber positiv.

Noch ist es schwer, auf dieser Seite eine allgemeingültige Anleitung für die Zulassung zum Psychologiestudium zu schreiben. Erste Anlaufstelle ist jetzt auf jeden Fall hochschulstart.de. Wenn die Wunschhochschule aber dort nicht vertreten ist, wird es kompliziert. Jede Uni hat dann eigene Verfahren, eigene Fristen und interne Regeln für die Studienplatzvergabe. Pauschale Aussagen sind daher schwer. Es ist auch schwer zu sagen, welche Abiturnote man mitbringen sollte, um einen Studienplatz zu bekommen. Erfahrungen zeigen, dass man auch mit 2,0 noch einen Studienplatz im Nachrückverfahren bekommen kann. Jede Verbesserung der Abiturnote nach dem Komma lässt die Chancen auf einen Studienplatz deutlich steigen. Mit Noten jenseits der 2,0 wird es schwer einen Studienplatz zu bekommen, da helfen meist nur noch Wartesemester oder Losverfahren.

Der Rat an alle Studieninteressenten kann daher nur sein, sich neben hochschulstart.de auch bei möglichst vielen Unis zu bewerben, viel Geduld mitzubringen und auch nach mehreren Absagen nicht zu verzweifeln. Wir von psychostudium.de werden das System weiter im Auge behalten und können nur hoffen, dass sich der positive Trend weiter fortsetzen wird.

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss: Sollte es auf dem regulären Weg nicht mit einem Studienplatz geklappt haben, hilft vielleicht noch eine Studienplatzklage weiter. Infos dazu gibt's hier: just-study.com/studienplatzklage

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