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Grundstudium
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Das Grundstudium beginnt im ersten Semester und endet im allgemeinen nach dem vierten Semester; es wird mit den Vordiplomsprüfungen abgeschlossen.

Das Grundstudium besteht aus sieben inhaltlichen Fächern. Diese Fächer sind: Allgemeine Psychologie Teil 1 und Teil 2, Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie, auch differentielle Psychologie genannt, Sozialpsychologie, biologische Psychologie und Methodenlehre. Es ist dabei üblich, dass in jedem dieser Fächer eine oder zwei Vorlesungen angeboten werden und dass Studenten anschließend die Möglichkeit haben, aus verschiedenen Seminaren eine Auswahl zu treffen, um selbst zu entscheiden, welche Bereiche dieses Faches sie besonders interessieren.

Alle Vorlesungen sind Pflicht, müssen also vollständig besucht werden. Zusätzlich muss an allen Universitäten eine bestimmte Anzahl von Pflichtseminaren belegt werden. Über diese Pflichtseminare hinaus kann eine beliebige Anzahl von Wahlseminaren besucht werden, um sich den eigenen Interessen entsprechend weiterzubilden. Im Grundstudium muss je nach Universität eine unterschiedliche Anzahl Leistungsnachweise erbracht werden. Meist werden diese Leistungsnachweise als Referate oder Hausarbeiten in den Seminaren abgeleistet. Aber auch Klausuren sind nicht unüblich. Im Fach Methodenlehre werden an allen Universitäten Klausuren geschrieben. Im Folgenden sollen nun die einzelnen Fächer des Grundstudiums genauer dargestellt werden. Durch Klick auf die Überschrift kommt man zu den Literaturempfehlungen des entsprechenden Faches.

Allgemeine Psychologie:

Die Allgemeine Psychologie beschäftigt sich mit den Grundlagen des menschlichen Seins. Dabei werden die einzelnen Themenkomplexe an verschiedenen Universitäten unterschiedlich auf die Teile 1 und 2 verteilt.

Die Allgemeine Psychologie Teil 1 enthält an vielen Universitäten die Bereiche Wahrnehmung und Denken. Sie beschäftigt sich mit den Fragen:
Was ist Wahrnehmung? Wie nehmen wir wahr? Wie kommen optische Täuschungen zustande? Welche verschiedenen Sinne gibt es und wie wirken diese zusammen? Was ist Denken? Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir denken? Wie löst unser Gehirn bestimmte Probleme?
Neben diesen Grundfragestellungen werden weitere, eher philosophische Fragestellungen bearbeitet, wie z. B.: Gibt es so etwas wie eine objektive Wahrnehmung? Sind optische Täuschungen wirklich "Täuschungen"? Was ist das, was der Mensch unter dem Bewusstsein versteht?

Die Allgemeine Psychologie 2 beschäftigt sich mit den Bereichen Motivation, Emotionen, sowie mit Lernen und Gedächtnis. Je nach Universität wird der Bereich Allgemeine Psychologie eher auf einer philosophischen Ebene oder auf einer naturwissenschaftlichen Ebene gelehrt. Gewisse Grundlagen werden dabei aber natürlich in jeder Universität vermittelt.

Entwicklungspsychologie:

Die Entwicklung des Menschen vollzieht sich in der gesamten Zeitspanne von der Zeugung bis zum Tod. Diese Entwicklung ist von permanenter Veränderung und Anpassung geprägt. Bereits im ersten Monat unseres Daseins, ca. 3 Wochen nach unserer Zeugung, beginnt sich unser Nervensystem zu entwickeln. Schon wenige Wochen später ist der Mensch in der Lage, erste Wahrnehmungen aufzunehmen und zu verarbeiten. Die Entwicklung des Nervensystems ist ein Prozess, der niemals abgeschlossen wird. Die größten Veränderungen finden dabei in der Kindheit und im höheren Lebensalter statt. Diese Veränderung und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Psychologie des Menschen sind Gegenstand des Faches Entwicklungspsychologie. Besonders ausführlich wird dabei die Entwicklung des Menschen vom Embryo zum Erwachsenen betrachtet. Im Rahmen dieses Faches werden auch die gängigsten Entwicklungstheorien besprochen. Hier dürfen natürlich auch historische Vertreter wie Freud oder Piaget nicht fehlen. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit ihren Theorien ist der Inhalt des Gebietes. Ein weiterer wichtiger Gegenstand des Faches ist die Degeneration von Gehirn und Psyche bei Alterserkrankungen wie z. B. der Alzheimer-Krankheit.

Persönlichkeitspsychologie/differentielle Psychologie:

Jeder Mensch ist ein Individuum. Sogar genetisch identische eineiige Zwillinge sind in ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit nicht identisch. Die Persönlichkeitspsychologie beschäftigt sich mit der Fragestellung, was diese Individualität des Menschen ausmacht. Was ist es, das den einen Menschen vom anderen unterscheidet? Was macht unsere Persönlichkeit, was unseren Charakter aus? Dabei wird in der Regel auch ein historischer Ausblick auf die Vergangenheit dieser Disziplin gegeben. Bereits im alten Griechenland versuchte man Menschen in verschiedene Charaktertypen einzuteilen. Dies gipfelte zu Zeiten des Dritten Reiches in der pauschalen Verurteilung ganzer Gruppen von Individuen, was als Begründung für deren Verfolgung herangezogen wurde. So erfolgt gerade auch in diesem Fach immer eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Sozialpsychologie:

Nur die wenigsten Menschen leben in vollständiger Isolation. Normalerweise lebt der Mensch in einem sozialen Umfeld und interagiert mit diesem. Dabei beeinflusst sowohl der einzelne Mensch das Umfeld, als auch das Umfeld den Menschen. Wie sieht aber dieser Einfluss aus? Durch was wird dieser Einfluss moderiert? Warum haben einige Personen größeren Einfluss auf Menschen als andere? Auf welche Weise wurden und werden Menschen durch andere manipuliert? Warum beugen sich Menschen trotz besseren Wissens einer falschen Gruppenentscheidung? Dies sind Fragen mit denen sich die Sozialpsychologie beschäftigt.

Biologische Psychologie/Physiologie:

Dieses Fach wird je nach Universität verschieden gelehrt. An einigen Universitäten ist dieses Fach speziell für Psychologen zugeschnitten. Es werden dann die biologischen Grundlagen des menschlichen Verhaltens behandelt. Hierzu zählen alle Teile der menschlichen Physiologie, die die menschliche Psychologie beeinflussen oder von ihr beeinflusst werden. Das sind die Bereiche Herz und Kreislauf, Atmung und Motorik, sowie der gesamte Bereich der Neurophysiologie. An einigen Universitäten wird die biologische Psychologie jedoch nicht speziell für Psychologen angeboten, sondern wird als Physiologie an anderen Instituten gelehrt. Hier entspricht der Lehrplan oft dem von Medizinern oder Zahnmedizinern. Neben der Methodenlehre handelt es sich bei der biologischen Psychologie um eines der schwersten Fächer des Grundstudiums. Biologisches Vorwissen ist hier immer hilfreich, ist jedoch nicht Voraussetzung um dieses Fach mit Erfolg zu bestehen.

Methodenlehre:

Das wohl umfangreichste Fach im Grundstudium ist die Methodenlehre. Je nach Universität kann dieses Fach in den ersten beiden Semestern fast die Hälfte der Studienzeit in Anspruch nehmen. Das Fach setzt sich zusammen aus Vorlesungen zum Gebiet der deskriptiven und schließenden Statistik, aus Vorlesungen oder Seminaren zum Gebiet der Versuchsplanung und aus Vorlesungen zur Einführung in die elektronische Datenverarbeitung. In all diesen Bereichen werden die gelehrten Inhalte durch Klausuren überprüft. Zusätzlich zu Vorlesungen und Seminaren werden an vielen Universitäten Tutorien von Studenten aus höheren Semestern angeboten. Diese helfen den Stoff zu verstehen und sich auf die Klausuren vorzubereiten. Die Methodenlehre ist das Fach an dem die meisten Studienabbrecher gescheitert sind. Die Intensität mit welcher dieses gelehrt wird ist an jeder Universität verschieden. Dennoch sollte man sich nicht von diesem Fach abschrecken lassen. Mathematisches Vorwissen ist auch hier keine Voraussetzung. Wichtiger ist hier mathematisches Grundverständnis. Mit ein wenig Fleiß ist dieses Fach aber in jedem Fall mit Erfolg zu meistern.

Das Grundstudium wird mit den Vordiplomsprüfungen abgeschlossen. Diese Prüfungen sind je nach Universität entweder mündlich, schriftlich oder je nach Fach verschieden abzulegen. An einigen Universitäten müssen diese Prüfungen im Block nach dem vierten Semester abgelegt werden. Die sieben Prüfungen werden dann innerhalb der Semesterferien nach dem vierten Semester abgelegt. An anderen Universitäten ist es möglich diese Prüfungen zu staffeln. So können einzelne Prüfungen bereits nach dem zweiten oder dritten Semester abgelegt werden. Vordiplomsprüfungen kann man in der Regel bei Nichtbestehen nach einem Semester wiederholen. Oft ist es trotz nicht bestandener Prüfungen möglich, bereits eingeschränkt ins Hauptstudium einzutreten. Die Vordiplomsprüfungen sind aber Voraussetzung, um bestimmte Seminare des Hauptstudiums besuchen zu können.

An allen Universitäten muss man im Grundstudium eine bestimmte Anzahl Versuchspersonen-Stunden ableisten (meist 20-30). In diesen Stunden muss man anderen Studenten für Versuche zur Verfügung stehen. In höheren Semestern ist man dann selbst im Experimentalpraktikum auf Studenten angewiesen, die solche Stunden ableisten müssen. Das Experimentalpraktikum ist eine Vorbereitung auf die spätere Diplomarbeit. Ziel ist es das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten zu lernen.
An einigen Universitäten ist im Grundstudium auch noch ein Interviewpraktikum zu absolvieren. Manche Unis verlangen neben dem Hauptfach Psychologie noch die Belegung eines Nebenfachs, wie z.B. einer Sprache (praktischerweise Englisch).

Insgesamt ist das Grundstudium wohl die anstrengendste Zeit des gesamten Studiums. Zum einen ist die Atmosphäre einer Universität nach dem Abitur und der Schule etwas völlig ungewohntes, zum anderen sind die Anforderungen durch Physiologie und Methodenlehre im Grundstudium besonders hoch. Auch ist die Menge des neuen Stoffes, mit der man im Grundstudium konfrontiert wird, besonders groß. Viele Studienanfänger vermissen im Grundstudium den Praxisbezug. Dieser Praxisbezug ist dann Gegenstand des Hauptstudiums.

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