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Hauptstudium

Es ist geschafft, man hat alle Vordiplomsprüfungen in der Tasche und nun beginnt der nächste Teil des Studiums, das Hauptstudium. Wie der Name schon sagt, wird hier die Hauptarbeit geleistet, was sich zum großen Teil auch im Zeitaufwand für das Studium niederschlägt. Wurden im ersten Teil allgemeine Grundlagen vermittelt, um alle Studierenden auf ein einheitliches Wissensniveau zu heben, so beginnen jetzt die Praxisbezogene, inhaltliche Ausbildung und die Spezialisierung. Im Hauptstudium gibt es für die Studenten große Freiräume, was die Wahl von Kursen und Vertiefungen angeht. Hier gibt es allerdings gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen Universitäten. Diese Zusammenfassung kann daher nur unvollständig sein und auch nur einen groben Überblick vermitteln.

Bestimmte Dinge sind an jeder Universität gleich: Es gibt bestimmte obligatorische Grundlagenfächer, man muss zwei Schwerpunktfächer auswählen, eine "Forschungsorientierte Vertiefung" belegen und ein Wahlpflichtfach besuchen. Welche Fächer dabei zur Auswahl stehen ist sehr verschieden. Wichtig ist, dass die eigene Universität auch die Spezialisierungen anbietet, die einen interessieren. Weiß man schon vor dem Studium, in welchem Bereich der Psychologie man später tätig sein will, so sollte man sich schon vor der Wahl der Hochschule erkundigen, welche Schwerpunkte diese anbietet. Nach dem Vordiplom bietet sich aber auch eine gute Möglichkeit, an eine andere Universität zu wechseln, um sich interessanteren Studieninhalten zu widmen. Im Folgenden soll nun eine Übersicht über gewöhnlich zur Auswahl stehende Schwerpunkte gegeben werden.

Falls Ihr Studenten der Psychologie seid, würde ich mich freuen, wenn Ihr mir mitteilen könntet, welche Schwerpunkte eure Uni anbietet und welche davon wirklich zu empfehlen sind. Auf diese Weise könnten wir hier eine Datenbank aufbauen, aus der man sich seinen zukünftigen Studienort entsprechend den eigenen Interessen heraussuchen kann.

Die Grundlagenfächer:

Diese Fächer sind meines Wissens an jeder Universität gleich. Sie müssen von jedem Studenten belegt und durch verschiedene Leistungsnachweise abgeschlossen werden. An erster Stelle ist hier wieder die Methodenlehre zu nennen. Im Hauptstudium heißt diese allerdings "Forschungsmethodik und Evaluation". Wie im Grundstudium nimmt diese auch im Hauptstudium wieder einen beträchtlichen Teil der Zeit in Anspruch. Der Stellenwert ist aber nicht mehr so hoch wie im Grundstudium. Hier gibt es aber wieder große Unterschiede in der Gewichtung dieses Faches in den verschiedenen Hochschulen.
Das zweite Pflichtfach ist die Diagnostik. Dieses ist eines der wichtigsten Fächer im ganzen Studium, weil es praktische Grundlagen vermittelt, die in jedem der anderen Anwendungsfächer benötigt werden. Inhalte sind hier die Testdiagnostik, das Schreiben von Gutachten, aber auch Interviewdiagnostik, Testentwicklung und Testtheorie. Zum Fach Diagnostik gehört außerdem eine Fallarbeit, in welcher man eine diagnostische Untersuchung an einem realen Fall durchführen muss. Anschließend ist ein Gutachten entsprechend einer Fragestellung zu formulieren. Diagnostik ist ein sehr interessantes aber auch aufwändiges Fach. Oft gehören dazu auch mehrere Klausuren sowie die üblichen Vorlesungen und Seminare.

Die Schwerpunktfächer:

Fast alle Universitäten bieten mindestens drei Schwerpunkte an: "Klinische Psychologie", "Pädagogische Psychologie" und "Arbeits- und Organisationspsychologie". Letzterer ist dabei unter den verschiedensten Abkürzungen anzutreffen, wie z.B. "AOM", "ABO" oder "A&O". Einige Unis bieten weitere Fächer an, wie z.B. Rechtspsychologie. Zwei dieser Fächer müssen als Spezialisierungskurse belegt werden. In diesen Fächern müssen Seminarreihen besucht und evtl. auch verschiedene praktische Übungen absolviert werden. Dies können im Bereich der klinischen Psychologie z.B. Therapieseminare oder Selbstanalysen sein, oder im Bereich A&O Personalmanagement-Seminare. Die anderen Fächer sind als normale Kurse zu belegen. Auf welchen Bereich innerhalb des jeweiligen Faches an einer Universität besonderes Augenmerk gelegt wird, ist sehr variabel. In der klinischen Psychologie muss man vor allem die diversen Therapieschulen trennen, welche an verschiedenen Hochschulen unterschiedlich präferiert werden. Im Bereich der A&O-Psychologie werden oft sogar innerhalb des Faches noch mal verschiedene Schwerpunkte zur Auswahl gestellt. In Kiel werden zum Beispiel die drei Bereiche: Personalmanagement, Marketing und Multimedia angeboten. Generell gilt immer: zuerst informieren, um keine falsche Entscheidung zu treffen. Man kann zwar die Schwerpunkte problemlos wechseln, aber jeder Wechsel bedeutet ein paar verschwendete Semester.

Die Forschungsorientierten Vertiefungen:

Die Zahl der angebotenen Vertiefungsrichtungenen schwankt an den Universitäten zwischen 4 und 15. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die wissenschaftliche Arbeit in einem interessanten Forschungsgebiet kennen zu lernen. Beispiele solcher Vertiefungen sind: Rechtspsychologie, Neurophysiologie, Wahrnehmungspsychologie etc.. Oft wird zu mehreren Fächern des Grundstudiums eine Forschungsorientierte Vertiefung angeboten. Aus den zur Auswahl stehenden Vertiefungen muss eine gewählt und im Hauptstudium belegt werden. Natürlich gilt auch hier: erst informieren, dann wählen.

Das nichtpsychologische Wahlpflichtfach:

An jeder Uni muss im Hauptstudium eine Art "kleines Nebenfach" mit reduzierter Stundenzahl belegt werden. Oft geht es hier um eine Gesamtsemesterstundenzahl von 8-12. Auch hier gibt es - wie sollte es anders sein - große Unterschiede, welche Fächer im Angebot sind. An fast allen Unis wird das Fach Psychopathologie angeboten, das einen Einblick in die Psychiatrie als Nachbarwissenschaft gibt. Dieses bietet sich als Kombination zum Schwerpunktfach "Klinische Psychologie" an. Weitere Wahlpflichtfächer sind z.B. BWL, Informatik, Kriminologie, Philosophie oder Politikwissenschaft. Hier sucht man am besten nach einem Fach, das den gewählten Schwerpunkt gut ergänzt. Obwohl sich der Zeitaufwand für dieses Fach in Grenzen hält, muss man aber dennoch bedenken, dass auch hier eine Diplomprüfung abgelegt werden muss. Diesen Aspekt sollte man bei der Wahl des Fachs berücksichtigen.

Das Hauptstudium umfasst in der Regel zwischen 5 und 8 Semester. Einige wenige Studenten schaffen es auch in 4 Semestern, dies ist aber mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden und meiner Meinung nach nicht unbedingt empfehlenswert. Meist werden einem diverse Stolpersteine in den Weg gelegt, wenn man sein Studium so schnell wie möglich absolvieren will. Wenn aber keine Verpflichtungen außerhalb der Uni vorliegen und man sein Studium konsequent durchgezogen hat, so ist ein Abschluss nach dem 10. Fachsemester, also nach 6 Semestern Hauptstudium, problemlos zu schaffen. Im Gegensatz zum Grundstudium gibt es im Hauptstudium aber keine zeitliche Begrenzung. Man wird nicht exmatrikuliert, wenn man auch noch im 15. Semester studiert. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass es Bafög nur bis zum 9. Hochschulsemester gibt und dass diverse Bundesländer erwägen, ab einem gewissen Semester Studiengebühren einzuführen. Ein schnelles Ende des Studiums ist also, wenn möglich, immer von Vorteil.

Hat man dann alle nötigen Scheine erworben, so kann man sich an die Hauptdiplomprüfungen machen. Auch hier ist die Handhabung sehr verschieden an den Universitäten. Zu den Diplomprüfungen zählen 7 mündliche oder schriftliche Prüfungen in den 7 Fächern des Hauptstudiums, sowie die Diplomarbeit. Wann diese Prüfungen abzulegen sind, hängt wie immer von der Uni ab. Während es an einigen Hochschulen erlaubt ist, die mündlichen oder schriftlichen Prüfungen zu staffeln und schon im Hauptstudium abzulegen, werden andernorts Blockprüfungen am Ende des Studiums verlangt, sozusagen als krönender Abschluss. Dementsprechende Regelungen gibt es auch für die Diplomarbeit. Einige Unis verlangen erst die Prüfungen, bevor die Diplomarbeit geschrieben wird, andere lassen zuerst die Diplomarbeit schreiben und machen anschließend Blockprüfungen. Hat man dies dann alles hinter sich gebracht, dann darf man sich ganz stolz Diplompsychologe nennen und sich in den Arbeitsmarkt stürzen.

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